„Wir sind gut aufgestellt und blicken nach vorn!“ – mit diesen Worten eröffnete Hans- Willi Niemeyer, Vorsitzender des SPD Stadtverband Dorsten, den SPD- Neujahrsempfang. Alle Redner machten Mut, daß es einen Weg aus der finanziellen Misere gibt. Notwendig dazu ist jedoch ein Politikwechsel – dieser muß am 9. Mai beginnen. Dann wird in NRW ein neuer Landtag, eine neue Landesregierung gewählt. Mut machte zum Abschluß auch Martin Kaysch – Freunden des Geierabends auch als Moderator „Der Steiger“ bekannt.
In seiner Begrüßungsrede lud Hans- Willi Niemeyer zu einer Rundreise durch Dorsten ein. Überall gibt es engagierte Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. „Ich möchte Sie und Euch herzlich bitten, die in kurzen Beispielen genannte Vielfalt der Stadtteile und der aktiven Sozialdemokraten zu nutzen, um Dorsten viel besser als bisher als lebendige Einheit zu präsentieren.“ – so lautet das Fazit von Hans- Willi Niemeyer am Ende seiner Tour durch Dorsten. Gleichzeitig warb er noch einmal vehement für mehr Bürgerbeteiligung, die mehr sein muß als bloße Bürgerinformation am Ende eines Entscheidungsprozesses.
Nach Grußworten von Dirk Groß (für den Ortsverein Hervest- Dorsten), dem Landtagsabgeordneten Wolfgang Röken und den Landtagskandidaten Klaus- Peter Müller (Dorstener Norden) und Michael Hübner (Dorstener Süden) sprach SPD- Fraktionsvorsitzender Friedhelm Fragemann über die Dorstener Haushaltslage. Die ist dramatisch, weil das Land die Stadt Dorsten und alle übrigen Städte und Gemeinden im Land im Stich gelassen hat. „Ohne Hilfe vom Land kommen wir aus dem Schuldenloch nicht heraus“ fordert Fragemann endlich eine faire Finanzausstattung der Städte vom Land. Gleichwohl verschließt sich die SPD nicht weiteren Sparmaßnahmen, um den letzten Handlungsspielraum zu erhalten. Aber mit klaren Grenzen – keine Schließung der Dorstener Bibliotheken und der Musikschule, die Programme „Kein Kind ohne Mahlzeit“ und die Soziale Stadt Hervest- Dorsten müssen erhalten bleiben. „Konzessionierte Hütchenspieler“ nannte Fragemann die Vertreter der Landesregierung, die Schließungen in diesem Bereich nicht nur fordern, sondern diese als Lösung aller Finanzprobleme verkaufen. Sollte die Landesregierung die Nöte der Städte nicht endlich ernst nehmen, kündigte Fragemann den zivilen Ungehorsam an.
Hauptredner beim Neujahrsempfang war Landrat Cay Süberkrüb. Auch er beschrieb die Finanzlage aller Städte im Kreis Recklinghausen als desolat und alarmierend. Dabei sind es gerade die Städte, die erst wirtschaftliche Entwicklung möglich machen. Die Städte leisten die Grundsatzarbeit – mit ihren Straßen, der Abwasser- und Müllbeseitigung, mit der Ausbildung junger Menschen in Kindergärten, Schulen und Berufkollegs. Das kostet Geld – und dieses Geld müssen die Städte auch erhalten. „Steuersenkungen sind die falsche Politik“ warb Cay Süberkrüb für ein Umdenken in der Steuerpolitik. Und wo soll das Geld herkommen? Nicht über eine Mehrwertsteuererhöhung – die träfe nämlich besonders die ärmeren Schichten. „Starke Schultern müssen mehr tragen – die können das“ - Cay Süberkrüb fordert eine Vermögenssteuer und Steuern auf Finanztransaktionen.
Das Finale beim SPD- Neujahrsempfang gehörte dem Kabarettisten Martin Kaysch. Vorab als AWO- Oppa angekündigt, schlüpfte der Moderator beim Geierabend in die Rolle des Consulters. Und reiste locker und jederzeit witzig und bissig durch den Ruhrgebietsraum und die SPD- Geschichtszeit. Hier ein paar Beispiele:
Eintritt für den Besuch stillgelegter Zechen? – Da musse jetzt als alter Bergmann Geld bezahlen, um Deinen alten Arbeitsplatz noch mal sehen zu können.
Wir müssen heute englisch sprechen – so heißt es dann nicht mehr: Glück Auf – sondern luck up.
Justizministerin Müller- Piepenkötter tritt nicht eher ab, bis auch die letzte JVA ihren persönlichen Folterskandal hat. Der sind prozentual schon mehr Leute abgehauen als der DDR.
Die neuen Berufsbezeichnungen: Junior Contacter. Früher hießen die bei uns Kinderschänder.
Ein besonderes Mut- Bonbon reichte Martin Kaysch dann ganz zum Schluß. Er habe sich in den Geierabend- Sitzungen immer für die SPD engagiert. Mal rief er zum Eintritt in die SPD auf und versprach jedem ein Dampfbügeleisen – die stehen heute noch in seinem Keller. Wenig erfolgreich auch der Versuch, beim Trinken Leute für die SPD zu gewinnen. „Die haben zwar viel getrunken, aber so blau waren die dann doch nicht“. Und das Ende dieses traurigen Liedes? 23 % bei der letzten Bundestagswahl. Jetzt versprach Martin Kaysch, ab sofort für die FDP zu werben…